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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : T 4 - Wo sind denn die Instrumente versteckt? Oder was klingt da eigentlich?



ansai
22.08.2012, 10:39
Hallo,

zunehmend verblüfft stelle ich zur Zeit fest, dass ich wie selbstverständlich Voices spiele, die so heißen wie Original-Instrumente und die auch oft genug richtig toll danach klingen - und meine Erwartungen diesbezüglich erfüllen. Aber es ist doch eigentlich sensationell (ein Bekannter von mir würde sagen "erschreckend!") dass mit ca. 15 kg Hardware und "etwas" Software, die über Platinen wetzt, diese Illusionen geschaffen werden können.

Nicht nur die akustischen, auch die optischen finde ich verblüffend, da ist ja z. B. schließlich kein einziger wirklicher Drehregler im nicht wirklichen griffigen Mixer, und im Display lassen sich so viele Seiten aufschlagen, auf denen alles mit allem anderen "verlinkt" scheint, was aber ja auch alles "bloß" über irgendwelche Lötstellen o. ä. hetzt, wenn ich nicht irre.

Alles geniale Berechnung und Physik oder was sonst noch? Magie wird´s wohl nicht sein, auch wenn´s manchmal magisch klingt.

Da würde ich gerne was mehr von verstehen (lernen). Hat jemand Tips dazu bzw. zu entsprechender Literatur oder gibt´s von Seiten der Entwickler dazu evtl. Material, das nicht "geheim" bleiben muß?

Und selbstredend muß das nicht sowas sein wie ein "Kochbuch", aber auch nix, was nur wirkliche Profis verstehen können. Musiktheoretische Grundlagen und etwas mehr als das Wissen, dass 1 = Strom und 0 = kein Strom können aber schon vorausgesetzt werden. Da gibt´s doch sicher jemanden, der/die dazu das eine oder andere Buch empfehlen könnte? Danke.

Alfred

ww
22.08.2012, 12:19
Hallo Alfred

Deine Frage aus der Überschrift ist eigentlich leicht zu beantworten.
Vereinfacht gesagt, sind alle Sounds , die im Tyros werkeln, kleine Audioaufnahmen.
So ein Audioschnipsel nennt man auch Sample.

Die unterschiedlichen Tonhöhen entstehen durch Frequenzteilung.
Wenn ein Ton in einer bestimmten Höhe nicht merh gut klingt, weil das Sample nicht dafür geeignet ist, dann wird dafür ein
geeigneteres Sample verwendet. Das wäre dann der Anfang des Multisamplings.

Die Samples werden bei einem Tastendruck durch einen Oscillator geschickt, die den Klang- und Lautstärkeverlauf beeinflussen können.
Da sind in erster Linie die 3 Standard-Hüllkurven für Lautstärke, Filter und Pitch.
Dann kommen noch LFOs(Low Frequency Oscillatoren) und die Filter CutOff und Resonanz.
Das ist erstmal die gribe Klangformung.
Das alles läuft in einem speziellen Chip ab, der genau für diese Anwendung hergestellt wurde.
Wenn kein Hardwarechip vorhanden ist, lassen sich alle Parameter auch virtuell per Software nachbilden.
An einem Synthesizer wären für all diese Parameter ganz viele Knöpfe , Drehregler und Slider auf dem Panel.
Der Tyros ist aber kein Synthesizer , sonder in 1.Linie ein Arranger.
Darum gibt es für die Klangformung auf der Oberfläche kaum Bedienelemente.
Dafür aber für die Bedienung des Begleitautomaten.
Was wichtig ist und schnell erreichbar sein muss, liegt an der Oberfläche.

Was alles gemacht werden kann, liegt i.d.R. am Betriebssystem. Das entscheidet, was machbar ist.

Die Klangqualität liegt nicht nur an den guten Samples , sondern auch an den D/A Ausgangswandlern.

Das was Du im Display siehst, nennt man GUI. Grafisches User Interface.
Ohne GUI wäre das Keyboard kaum bedienbar.

Es ist so ähnlich wie mit dem Windows für den PC.
Als es nur DOS gab, muste wir Kommandos lernen und eintippen.
Das nimmt Windows uns ab.
So ist es auch am Tyros. Es wäre ja schrecklich, wenn wir Befhele eingebenmüssten, um einen Sounds zu wechseln.
Aber im Hintergrund spielt sich das im Tyros genauso ab wie auf einem PC.

Der Tyros ist nichts anderes als ein Computer mit Tasten, viel zu kleinem Display und viel zu wenig Rechenleistung.
Alle Key-Systeme mit embedded OS laufen weit unter der machbaren Performance, verglichen mit einem Gaming-PC.

Wenn Du planst, so etwas selbst zu bauen, dann musst Du nichts über die Halbleitertechnik lernen, sondern kauf Dir einen PC mit Midi-Schittstelle und eine Arranger-Software dafür. Dann noch die Expander als Tonerzeuger dazu und Du kannst loslegen.
Sieht nicht so schick aus wie ein Tyros, aber dann hast Du mehr Möglichkeiten.
Aber dann wird es evtl. ein Problem geben, die SA und MEGA-Voices nachzuempfinden.
So stünde Dir aber unendlich Speicherplatz für Samples zur Verfügung, weil Du auch VSTi-Softwareinstrumente implementieren kannst.
So wird es z.Z. in der Midistation/Groove gemacht.
Im Herbst wird ein pc-basierender Arranger vorgestellt.

Cerebro
22.08.2012, 12:26
Hallo.

Nicht zu schwer und gut verständlich wären folgende Fachbücher :

- http://www.amazon.de/Das-Sampling-Praxisbuch-Grundlagen-Bearbeitung/dp/3910098290
- http://www.amazon.de/Synthesizer-So-funktioniert-elektronische-Klangerzeugung/dp/3937841180

Es gibt zudem einige interessante Informationen unter Google :

- Sampling
- Multisampling
- Subtraktive Synthese
- Additive Synthese
- FM Tonerzeugung

uvm.

Es gibt auf jeden Fall viele Informationen im Web, bei denen man sich durchaus gute Grundlagen anlesen kann.

t4chris
22.08.2012, 13:32
Hallo Alfred,

um die grundsätzliche Funktion eines Keyboards zu verstehen, sind auf jeden Fall auch grundlegende Kenntnisse im Bereich MIDI wichtig. MIDI ist ein "Datenübertragungsprotokoll für den Austausch musikalischer Steuerinformationen" (siehe >hier (http://de.wikipedia.org/wiki/MIDI)<).

Die Keyboard-Tastatur ist mit der internen Klangerzeugung per MIDI verbunden. Man kann jedoch auch mit der gleichen Tastatur eine externe Klangerzeugung (sog. "MIDI-Expander bzw. MIDI-Soundmodul") ansprechen (per MIDI OUT). Schließlich kann man auch die Keyboard-Klangerzeugung von einer externen Tastatur oder von einem PC-Programm aus ansteuern (per MIDI IN).

Auch viele im Keyboard verwendeten Dateien bauen auf MIDI auf: Neben Midifiles z. B. auch Styles, Multipads und Voice-Files.


... Die Klangqualität liegt nicht nur an den guten Samples , sondern auch an den D/A Ausgangswandlern. ... D/A bedeutet hier übrigens "Digital/Analog". Da die gesamte Klangerzeugung im Keyboard digital abläuft, muss das Signal zur Soundausgabe an die Lautsprecher von digital nach analog gewandelt werden.

Umgekehrt gibt es am Keyboard auch A/D-Wandler um ein analoges Eingangssignal (z. B. Mikrofon) in die "digitale Ebene" zu bringen.

ansai
22.08.2012, 20:45
Hallo

und Danke erstmal für die prompten Antworten/Tips. Werd mich da im Netz mal etwas schlauer machen.

Die empfolenen Bücher schau ich mir an.

Musikalische Grüße

Alfred

haraldhonisch
23.08.2012, 14:02
Hallo

Die empfolenen Bücher schau ich mir an.

Musikalische Grüße

Alfred

Anschauen allein bringt Dich nicht weiter.

Viele Grüße
Harald