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    #76
    Vielleicht liegt es auch daran: Die Begleitung durch das Keyboard ist fehlerlos. Dadurch wirkt diese Musik "mechanisch". Der Mensch hetzt dieser Perfektion eigentlich hinterher, mit gespielter Melodie und Gesang. Richtige Musik, wie z.B. am Klavier oder am Keyboard ohne (orchestrale) Begleitung stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Vielleicht eine einsetzende Gegenbewegung zu der kommenden Perfektion der Digitalisierung und KI. Nur so ein Gedanke.

    Hinzu kommt noch die zunehmende Individualisierung. In den 70ern existierte eine naive gemeinsame Fröhlichkeit, die einfach vorbei ist.
    Beste Grüße
    Hardy

    --------------------------------------------
    Tyros 5-76, Klavier

    Kommentar


      #77
      Ich denke, ein ein gewisser "Sherovsky" (der Musikprofessor im Kultfilm "Fame - Der Weg zum Ruhm" - die Älteren werden sich erinnern) hatte die Sache gegenüber einem (scheinbar genialen) seiner Schüler auf den Punkt gebracht:

      "Allein mit Maschinen erzeugte Musik (sinngemäß wiedergegeben) ist keine Kunst.
      Das ist Onanie."

      Ich muss es wissen - mein Vater war auch Taxifahrer ;-)

      Im Ernst:
      Musik sollte etwas Lebendiges sein und bleiben.
      Wenn man in der Musik technische Perfektion erreicht, wird man feststellen, dass man sie damit ihrer Seele, vielleicht sogar ihrer Daseinsberechtigung beraubt hat, nämlich Ausdruck der gesammten Bandbreite des Gefühlslebens zu sein.
      Sie wird so zu einem beliebig reproduzierbaren immer gleichen Konglomerat von Geräuschen.
      Sie wird beliebig.

      „Klavierspiel besteht aus Vernunft, Herz und technischen Mitteln. Alles sollte gleichermaßen entwickelt sein. Ohne Vernunft sind Sie ein Fiasko, ohne Technik ein Amateur, ohne Herz eine Maschine.“
      (nach Wikipedia von Vladimir Horowitz)
      Ich glaube, diese Einschätzung aus berufenem Munde läßt sich auch auf das Musizieren im Ganzen beziehen.

      Einem richtigen (klassischen) Instrument wie einem Klavier würde ich schon eher eine Seele zugestehen als einem Keyboard aus Kunststoff, Draht und Silikon.
      Auch wenn wir Letzteren vielleicht heimlich sogar Namen geben... ;-)
      Zuletzt geändert von Cosinus; 27.06.2016, 09:01.

      Kommentar


        #78
        Sehr kluge und nachdenklich machende Beiträge von Cosinus und Erhard.
        Vorweg als Ergänzung zum Horowitz-Zitat. mit "Technik" meinte er nicht die Elektronik, sondern das spielerische, musikalische Vermögen.

        Ich habe dabei immer eine bestimmte Organistin Augen, die sich in ihrer Präsentation als Weltstar an der Orgel oder Ballerina an der Orgel bezeichnet.
        Sie benutzt dabei zuvor teils von anderen eingespielte Waves und teils auch Vollplaybacks, wie man es leicht erkennen kann, wenn das mit anderen CDs vergleicht, weil ihr das musikalische Vermögen fehlt.
        Hier handelt es sich um die Inflation von Namensgebungen und eine Grenzüberschreitung, die jeden vernünftigen Rahmen sprengen.

        Gestern besuchten wir das Konzert in der Berliner Waldbühne mit den Berliner Philharmonikern und als Star an der Geige Lisa Batiashvili mit Werken von Smetana und Dvorak.
        Minutenlanger Applaus. Und das zu Recht. Die Geigerin fühlt sich in die Werke ein und bringt höchst emotional diese höchst anspruchsvollen Stücke. Diese Vielfalt im Ausdrucksvermögen mit Vibrati, Bogenstrich, Dynamik etc. wäre mit keinem elektronischen Instrument nicht zu leisten.
        Daher wird ein elektronsiches Instrument vorläufig kaum in der anspruchsvollen Musik seine Anerkennung finden.
        Studiengänge im Bereich Keyboard gibt es nicht. Wozu auch, weil die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten fehlen. Das fehlerfreie Musizieren nach Noten ist unbedingt Voraussetzung für den Studienbeginn, der weitere Studium hat andere Schwerpunkte. Ein Freund von uns ist Paukist an der Deutschen Oper Berlin. Von einem Musiker dort wird verlangt, dass er nach einmaligem Lesen der Notenvorlage dies fehlerfrei beherrscht. Doch dann beginnt die eigentliche Arbeit am Ausdruck.

        Doch heißt das noch lange nicht, dass das Keyboard nichts wert wäre. Ganz im Gegenteil, es eröffnet auch für den Laien einen Einstieg in die Musik, doch diese Betätigung stößt dann an die technischen Grenzen. Wer sich dann noch nur noch auf die technischen Helferlein verlässt, bleibt stehen oder entwickelt sich rückwärts.

        Unterhaltung für sich und andere ist das sicher, sofern der Spieler sein Fach beherrscht. Doch mit Kunst hat das nichts zu tun. Was hierbei den Part des Alleinunterhalters anbelangt, so steht der bei dieser Diskussion außen vor. Spaß machen und Kunst sind unterschiedliche Schuhe, die sich bei einem Künstler vermischen.
        Zuletzt geändert von Keys; 27.06.2016, 09:00.
        Gruß Lutz

        Tyros 3

        Kommentar


          #79
          Zitat von Keys Beitrag anzeigen
          ...
          Doch heißt das noch lange nicht, dass das Keyboard nichts wert wäre. Ganz im Gegenteil, es eröffnet auch für den Laien einen Einstieg in die Musik, doch diese Betätigung stößt dann an die technischen Grenzen.
          Das muss man zur Ehrenrettung des Keyboard allerdings festhalten.
          Vielen von uns wäre eine mehr oder weniger ernsthafte aktive Beschäftigung mit der Musik bzw. der Zugang dazu ohne diese Entwicklung wohl kaum möglich, nicht nur in finanzieller Hinsicht.

          Wer sich dann noch nur noch auf die technischen Helferlein verlässt, bleibt stehen oder entwickelt sich rückwärts.
          Darin besteht leider auch ganz allgemein eine große Gefahr der modernen Technik:
          Es wird dem Menschen Vieles abgenommen, was er sich bisher mühsam aneignen mußte.

          Mir fällt dazu immer das Beispiel der automatischen Türen ein:
          Als Erleichterung gedacht, sind Erfindungen wie diese mittlerweile Grund dafür, dass Menschen regelrecht verlernen, Türen hinter sich zu schließen.
          Oder ganz gravierend beim Auto:
          Die Leute verlernen über die fortschreitende Automatisierung zu Blinken, die Spur und das amtlich vorgegebene Tempo einigermaßen zu halten, richtig zu bremsen, überhaupt aktiv und bewußt (dieses entscheidende Wort schrieb mir mein Klavier-Lehrer oft über die Noten - Danke, Bela! ) Auto zu fahren usw...
          Statt dessen wird der auf diese Weise neu entstandene scheibare Freiraum genutzt, um mit dem Handy zu spielen oder Löcher in die Gegend zu gucken.
          Soetwas endet dann nicht selten an der Leitplanke (früher noch häufig im Graben, aber wir sind ja inzwischen auch hier vornehm geworden und leisten uns Scheuerleisten am Straßenrand).
          Diese Entwicklung sollte man mal kritisch hinterfragen.

          Ich finde auch, dass es einen ganz wesentlichen Unterschied zwischen vergleichsweise teuren handwerklich hergestellten Instrumenten und Keyboards gibt:
          Erstere sind schon aufgrund ihrer Herstellungsweise überwiegend einzigartig und charakterstark, während letztere ja vom Fließband kommen und daher, zumindest zu Beginn ihrer Kariere, völlig austauschbar sind und erst durch den Gebrauch Spuren, Kratzer, gewissermaßen "Charakter" und eine gewisse Individualität bekommen.
          Ihnen fehlt offenbar der "göttliche Funke", den ein tatsächlich handwerklich hergestelltes Instrument durch seinen Erbauer gewissermaßen eingehaucht bekommt.

          In einer TV-Doku wurde mal gezeigt, mit welchen Aufwand ein sehr bekannter Hamburger "Geflügelbauer" (nein, nicht Airbus, der andere! ) große Künstler (z.B. den, dessen Name im Morsealphabet den Buchstaben M "abkürzt") mit großem Aufwand bei der Auswahl und Vorbereitung eines ganz bestimmten Instrumenten-Exemplares (große Häuser haben offenbar oft eine ganze Auswahl davon, deren die meisten von uns sich nicht eines davon leisten könnten) unterstützt.
          Solcher Aufwand wäre für ein Keyboard wohl kaum vorstellbar - und auch sinnlos, weil sie ja alle gleich klingen.
          Zuletzt geändert von Cosinus; 27.06.2016, 09:44.

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            #80
            Zitat von Tyros5User Beitrag anzeigen
            ....... Die Begleitung durch das Keyboard ist fehlerlos. Dadurch wirkt diese Musik "mechanisch". Der Mensch hetzt dieser Perfektion eigentlich hinterher, mit gespielter Melodie und Gesang. Richtige Musik, wie z.B. am Klavier oder am Keyboard ohne (orchestrale) Begleitung stellt den Menschen in den Mittelpunkt. ........... In den 70ern existierte eine naive gemeinsame Fröhlichkeit, die einfach vorbei ist.
            Ich nehme mal den Fall, daß der Musiker keine Midifiles einsetzt und er sich nur mit seinem Keyboard als "Musikinstrument" und seinem eigenen Können dem Publikum stellt:

            seine spielerischen Fähigkeiten, seine Kenntnisse um die Harmonielehre und die von ihm gespielten Akkordgriffe, sein Musikgefühl beim Arrangieren der ausgewählten Musiktitel....... sind wohl die entscheidenden Kriterien, wie er beim Publikum rüberkommt, ob es stümperhaft ist oder routiniert........ Natürlich unterstützt ein gutes bzw. gut ausgestattetes Keyboard den Erfolg, den er verbuchen kann. Aber "mechanisch" kann das Ergebnis unter der Voraussetzung meiner Ansicht nach nicht erklingen.

            Fehlerlos ist kein Keyboardspieler, die helfenden Automatiken nehmen dem Musiker keine "Verspieler" ab - die Harmonien müssen schon richtig gegriffen sein, wenn es gut klingen soll - hier ist immer eine "Verletzungsgefahr" vorhanden. Man kann sich beim Vortrag auf erforderliche Harmonien/Akkordgriffe beschränken - das ist auch okay. Aber wenn sich ein Musiker darüber hinaus auch mit "überleitenden und ausschmückenden Akkorden" beschäftigt und diese in seinem Spiel anwendet, dann hört man das deutlich und das wertet seinen Vortrag stark auf. Und dann klingt er nicht mehr wie die anderen, die das gleiche Instrument haben.

            Ich meine: es gehört auch eine gewisse Portion Mut dazu, mit ehrlicher Musik auf die Bühne zu gehen, sich dem Publikum zu stellen - man hat jahrelang daran gearbeitet, ein gewisses Niveau zu erlangen. Natürlich ist es klar, daß man als Hobbymusiker "gegenüber dem riesigen Angebot von Musik", die kommerziell erstellt wurde zwecks maximaler Gewinneinspielung, "nicht anstinken kann" - aber die merkantile Seite bei dem Geschäft der Unterhaltungsindustrie sollte hier auch garnicht in die Diskussion einbezogen werden. Wir machen Musik abseits vom "Geschäft mit der Musik" - eben zur persönlichen Erbauung und um gelegentlich damit auch ein paar Musikfreunde zu erfreuen und anzuregen, sich mit dem Musizieren (in der Freizeit) zu beschäftigen.............
            Zuletzt geändert von genterlein; 27.06.2016, 11:52.
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            Gerd

            Yamaha HX-1; dann dazu Tyros-2, jetzt Tyros-4; Cubase-SE;
            Keyboardclub "S...." in Berlin-Tempelhof - sucht "jüngere" Keyboardspieler.....

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              #81
              Hallo Gerd,
              den Vortrag als Keyboarder gibt es heute nicht mehr und ob man sein Spiel individuell gestaltet, ist nur noch für einen selbst schön und richtig.
              Wie hier von AU geschrieben, werden Midifiles als Playback eingesetzt. Wobei es zumindest hier in Berlin dies nicht mehr gibt.
              DJ haben das Feld übernommen.
              Dennoch hat ein Tyros nicht an Bedeutung verloren.
              Gruß Lutz

              Tyros 3

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                #82
                Solcher Aufwand wäre für ein Keyboard wohl kaum vorstellbar - und auch sinnlos, weil sie ja alle gleich klingen.
                Habe den YEM bisher nur überflogen, aber wenn ich das richtig verstanden habe, kann man dort zumindest die Voices stark verändern.

                Der Punkt ist der große Kasten voller Elektronik und Anschlüsse, der - wie jeder weiß - auch ohne Tastendrücken komplette Musik von sich geben kann.

                Entscheidend ist aber der Spaß mit dem Gerät, das dem Hobbyisten eine so große Vielfalt bietet, dass man damit nie zu Ende kommt. Ich nutze das KB auch gerne klaviermäßig, wenn z.B. das Jurassic Park Theme erklingen soll. Bei Starwars müssen dann auch Strings dazu.

                Viel Spaß euch allen! Kritiker gibt es zuhauf. Einfach ignorieren und weiter machen.
                Zuletzt geändert von Tyros5User; 27.06.2016, 20:21.
                Beste Grüße
                Hardy

                --------------------------------------------
                Tyros 5-76, Klavier

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                  #83
                  Was haltet ihr eigentlich vom neuesten Modell der Yamaha PSR-E Reihe. Das Modell PSR-E453 wurde hier unter http://de.yamaha.com/de/products/mus...53/?mode=model vorgestellt und kann sich auch hier im Test sehen lassen! Suche für einen Anfänger noch ein geeignetes Modell und das Gerät scheint vom Funktionsumfang her ein wenig üppiger zu sein als die typischen Einsteigermodelle, die man so kennt.

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